{"id":360,"date":"2012-06-29T22:08:10","date_gmt":"2012-06-29T21:08:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.epischel.de\/wordpress\/?p=360"},"modified":"2012-06-29T22:11:59","modified_gmt":"2012-06-29T21:11:59","slug":"caesar-laesst-gruessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.epischel.de\/wordpress\/2012\/06\/caesar-laesst-gruessen\/","title":{"rendered":"Caesar l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich das Buch \u00fcber die r\u00f6mische Armee gelesen hatte, hatte ich ein gewisses Interesse an r\u00f6mischer Geschichte entwickelt. Zuf\u00e4llig fiel mir\u00a0Joachim Fernaus &#8222;Caesar l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen&#8220; in die H\u00e4nde.<\/p>\n<div>\n<div>Auf gut 380 Seiten erz\u00e4hlt Joachim Fernau die Geschichte des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%B6misches_Reich\">R\u00f6mischen Reiches<\/a>. Nicht trocken, ein Ereignis nach dem anderen, sondern kurzweilig, weil er die handelnden Personen und die Ereignisse einordnet und kommentiert. Er bezeichnet sich selbst als Konservativen und man merkt schnell, dass er die Plebs (dem Volk) misstrauisch gegen\u00fcber steht. Auch schie\u00dft er hier und da gegen die Bewertung in &#8222;heutigen Lehrb\u00fcchern&#8220; und von &#8222;heutigen Professoren&#8220;. Aber als Leser muss man ja seine Einsch\u00e4tzungen und Kommentare nicht teilen. Das Buch ist \u00fcbrigens von 1971, also zu Zeiten der 1968er geschrieben.<\/div>\n<div>Beispiel A nach der Zerst\u00f6rung Roms durch die Gallier um <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brennus_(4._Jahrhundert_v._Chr.)\">F\u00fcrst Brennus<\/a> ca. 387 v. Chr.:<\/div>\n<blockquote><p><em>Dass sie dies nicht taten, sondern Rom an der alten Stelle wieder aufbauten, war eine Sternstunde des Abendlandes. Wie alle Sternstunden war sie im Kalender nicht rot angestrichen. Die R\u00f6mer fluchten lediglich und sahen sie nicht anders an als wir da Jahr 1945. (Sie besa\u00dfen einen Vorteil: sie hatten keine Befreier.) [&#8230;]<\/em><\/p><\/blockquote>\n<div>Den Klammersatz h\u00e4tte er sich sparen k\u00f6nnen. Aber er war ja auch Kriegsberichterstatter bei der SS gewesen und h\u00f6chst umstritten (siehe <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Joachim_Fernau&amp;action=history\">Edit-War auf Wikipedia<\/a>).<\/div>\n<div>Beispiel B um den Konflikt zwischen Patriziern und Plebejern wenig sp\u00e4ter:<\/div>\n<blockquote>\n<div><em>Also, wer waren sie? Unterdr\u00fcckte, doch wohl?<\/em><\/div>\n<div><em>Nat\u00fcrlich nicht. Auch die Weltbegl\u00fccker unter unseren Studenten-Randalierern sind nicht Unterdr\u00fcckte, sie sind alle S\u00f6hne mit gesichertem freien Leben. Die &#8222;Unterdr\u00fcckten&#8220; sind nur ihr Sprungbrett. [&#8230;] Und was sie fordern, ist nie etwas, womit die &#8222;Unterdr\u00fcckten&#8220; etwas anfangen k\u00f6nnen, sondern immer nur sie selbst. Wir kennen es alle: man fordert f\u00fcr die Arbeiter einen Vorstandssessel und setzt sich selbst drauf.<\/em><\/div>\n<\/blockquote>\n<p>So politisch kann Geschichte sein, zumindest bei Fernau. Ich runzle die Stirn und lese weiter.\u00a0Daf\u00fcr bezeichnet er sich im entsprechenden Kapitel als &#8222;Spartakist&#8220;, weil <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spartacus\">Spartakus<\/a> Gleichheit f\u00fcr alle gewollt habe.<\/p>\n<div>Die politischen\/weltanschaulichen Spitzen kann man \u00fcberlesen, das Ende des r\u00f6mischen Reiches kann man leider nicht lesen. Rom geht unter, weil die Gesellschaft dekadent wird:<\/div>\n<blockquote>\n<div><em>Rom ging sang- und klanglos unter. Es wurde nicht wie Hellas besiegt , zerfetzt, verschlungen; es verungl\u00fcckte nicht in der Kurve, es prallte mit niemand zusammen, es st\u00fcrzte nicht ab und bekam keinen Herzschlag.<\/em><\/div>\n<div><em>Es verfaulte.<\/em><\/div>\n<div><em>Man h\u00e4tte es retten k\u00f6nnen. Aber man gab ihm Opium, statt es zu schneiden.<\/em><\/div>\n<div><em>H\u00f6ren Sie, was die Ruinen, was die S\u00e4ulenst\u00fcmpfe auf dem Forum romanum rufen?<\/em><\/div>\n<div><em>Sch\u00f6nen Gru\u00df an die Enkel.<\/em><\/div>\n<\/blockquote>\n<div>Ach so war das? Die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pl%C3%BCnderung_Roms_(410)\">Goten kamen<\/a> und die R\u00f6mer waren zu Hause, Orgien feiern, statt sich zu wehren? Ich habe den Eindruck, der Autor hat hier ein paar Fakten dem Schluss geopfert, der in sein konservativ-reaktionistisches Weltbild passte. Wirklich schade. Ein paar Worte zum Zusammenbruch des Reiches h\u00e4tte ich gern gelesen, auch zur Erhebung des Christentums zur Staatsreligion sowie der Spaltung in West- und Ostr\u00f6misches Reich.<\/div>\n<div>\n<figure style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Roemischeprovinzentrajan.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" \" title=\"R\u00f6misches Reich um 117 n. Chr.\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/6\/66\/Roemischeprovinzentrajan.png\/640px-Roemischeprovinzentrajan.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"384\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">R\u00f6misches Reich um 117 n. Chr. (Quelle: Wikimedia Commons)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div>Aber als kurzweilige Information \u00fcber die Geschichte des r\u00f6misches Reiches &#8211; und mit einer geh\u00f6rigen Portion Skepsis &#8211; durchaus brauchbar.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"syndication-links\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich das Buch \u00fcber die r\u00f6mische Armee gelesen hatte, hatte ich ein gewisses Interesse an r\u00f6mischer Geschichte entwickelt. Zuf\u00e4llig fiel mir\u00a0Joachim Fernaus &#8222;Caesar l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen&#8220; in die H\u00e4nde. Auf gut 380 Seiten erz\u00e4hlt Joachim Fernau die Geschichte des R\u00f6mischen Reiches. 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