Diese Frage bezieht sich auf die Ahnenforschung und wurde letztens in einer FB-Gruppe gestellt. Manche erforschen nur die direkten Vorfahren, andere „in alle Richtungen, die ganze Bandbreite“.

Meine Faustregel ist:

3 „Schritte“ von der Hauptlinie entfernt

„3 Schritte von der Hauptlinie“ entfernt

Als Hauptlinie gelten auch alle Nachkommen eines direkten Vorfahren.

Beispiel: Die Schwester meiner Oma (per Definition 1 Schritt), ihr Ehemann (+1 Schritt = 2 Schritte), seine Eltern (3. Schritt), seine Geschwister (3 Schritte) etc. Der so bestimmte Personenkreis war in der Regel den Personen aus der Hauptlinie bekannt (hier Ehemann und Schwiegereltern der Schwester, Geschwister des Ehemanns der Schwester).

Man kann z.B. auf myHeritage Übereinstimmungen von Personen in anderen Stammbäumen finden und dann auch verwandte Personen, die man selbst noch nicht im Stammbaum hat, übernehmen. Bei online zugänglichen Quellen wie etwa die Kirchenbücher in Böhmen oder die Einwohnerdatenbank auf westpreussen.de gibt es dann relativ viele Übereinstimmungen, die weitere Personen hat. Würde ich die alle einfach zu meinem Stammbaum zufügen, würde ich sehr viele Personen erhalten, die dann jedoch mit meinen Ahnen gar nichts mehr zu tun haben, z.B. die „Urgroßmutter der Halbschwester des Ehemanns der Schwester meines Urgroßvaters“.

Es ist eine Faustregel, und Ausnahmen bestätigen die Regel.

My Heritage, now nine months into their DNA foray, so far has proven to be a disappointment. The problems are twofold. MyHeritage has matching issues, combined with absolutely no tools to be able t…

Quelle: MyHeritage – Broken Promises and Matching Issues

In der Facebook Gruppe „DNA-Genealogie auf Deutsch“ wurde die Qualität der Matches auf MyHeritage bemängelt:

Meine (26) My Hertitage matches (hochgeladen von FTDNA) sind „ungewöhnlich“ hoch (longest cM). Hat jemand Erfahrungen (z.B.Bestätigungen auf gedmatch), dass seine matches stimmen? Vor einigen Monaten hatte ich Kontakt zu einigen Personen aufgenommen, wo sich die matches als total falsch erwiesen haben.
Ich traue deshalb den matches von My Heritage nicht mehr so richtig.

Meine Antwort mit Hinweis auf den oben verlinkten Artikel (englisch):

MyHeritage nutzt sog. „Imputation“, wenn sie DNA vergleicht, die von verschiedenen Test-Chips bestimmt wurden. Die verschiedenen Chips messen nicht 100% an den selben Stellen den genetischen Code. Beispiel: Chip A misst Position 1 bis 100 auf Chromosom 1, Chip B misst Position 40 bis 80 und 120 bis 180. Die fehlenden Stellen werden „geraten“, was eben zu ziemlichen Fehlern führen kann.

Das Problem kann man an obigem Bild schön verdeutlichen: die hellbraunen Bereiche hat sich ein MyHeritage-Algorithmus einfach „ausgedacht“, weil sie nicht in beiden Quell-DNA getestet wurden. Das kann nur zu Ungenauigkeiten führen.

Herkunft US-Amerikaner nach Counties. German translation and adaption by Furfur, US ancestry2000 de, CC BY-SA 3.0

In hellblauen Gebieten ist die Mehrheit der Bevölkerung deutscher Abstammung.

Viele Gebiete im Landesinneren sind eher dünn besiedelt. Die Karte sagt also nicht so viel über die Bevölkerung aus. Aber trotzdem interessant, dass die dt. Abstammung so verbreitet ist.

Franz Anton Wurdinger war mein direkter Vorfahre (7 Generationen trennen uns). Ich habe seine Kinder in den Kirchenbüchern „verfolgt“.

Anton wohnte in Rauschenbach in Böhmen, heute Sítiny in der Tschechischen Republik. Dies ist ein kleines Dorf bei Einsiedl (tschechisch „Mnichov“).

Rauschenbach (Sítiny) heute
Rauschenbach (Sítiny) heute. © OpenStreetMap-Mitwirkende, Kartografie-Lizenz: „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ 2.0 (CC BY-SA) http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Die Taufeinträge von Vater Franz Anton Wurdinger (im Taufeintrag „Wortinger“, geboren am 11. Oktober 1760) und Mutter Anna Katharina Lenz (geboren am 7. Jahnuar 1759) habe ich geprüft. Die Hochzeit der beiden war der 9. Februar 1779 in Rauschenbach 23. Die Mutter Katharina verstarb am 22.4.1820.
Der Familienname wurde in den einzelnen Einträgen leicht unterschiedlich geschrieben: Wortinger, Wurtinger, Wordinger und Wurdinger

Die Lebensdaten folgender Kinder habe ich ermittelt:

Von 11 Kindern überlebten vermutlich 4 das Kindesalter.

Bei den „entzifferten“ Todesarten gab es Krankheiten wie Pocken („Blattern“), Typhus („Schleimfieber“) und Lungenentzündung. Ein Kind wurde „erdrucket“, wahrscheinlich versehentlich nachts im Elternbett. Jemand ist an „Abzehrung“ gestorben.

Zum Vater Franz Anton Wurdinger konnte ich keinen Sterbe-Eintrag finden. Auch das Todesdatum von Johann Wenzl (* 1789) bleibt unbekannt.

Rauschenbach.
Rauschenbach (Wikipedia) By Levap75 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Am 27. September 1808 heiratete Johann Josef Wurdinger (mein direkter Vorfahre) die Thesia Nadler in Rojau.

Am 13. Februar 1816 heiratete Franziska Wurdinger den Franz Joseph Zitterbart, geb. 19. Dezember 1792.

Am 6. Oktober 1818 heiratete Franziska Wurdinger den Franz Josef Hammer, geb. 6. April 1796.

Die 3 K's: Organisiere die geerbte Forschung eines Verwandten - MyHeritage.de by Kate Eakman (blog.myheritage.de)
Da eure Familie weiß, dass ihr "Genealogie betreibt", habt ihr die Familienforschung eurer Großmutter, eures Großonkels oder vielleicht eines entfernten Verwandten bekommen - und jetzt fragt ihr euch, was ihr damit machen sollt?

Die drei K’s sind:

  1. Klassifizieren
  2. Kombinieren
  3. Konservieren

für die Details lest selbst…

Ich habe die Seite zu meiner privaten Ahnenforschung wieder online geschaltet.

Primärquelle dafür ist der sog. Ahnenpass meiner Mutter sowie ähnliche Infos zu der Mutter meines Vaters. Der Rassenwahn der Nationalsozialisten hat mir hier sozusagen den Einstieg erleichtert. Ich kann meine Ahnenlinie bis in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückfolgen.

Die meisten Ahnen mütterlicherseits kommen aus Halle/Saale und Umgebung. Die mütterliche Linie meines Vaters stammt aus dem sog. Sudentenland, heute Tschechien. Nur meinen Familiennamen kann ich am wenigsten zurückfolgen – da reicht es nur bis zu meinem frühverstorbenen Großvater.

Nächste Anlaufstelle ist wohl Family Search – die Mormonen haben viele Kirchenbücher auf Mikrofilm, die man in sog. „Family History Center“ einsehen kann.

Interessant ist auch die Verteilung der Familiennamen in Deutschland. Mannchmal kann man da schon erkennen, woher die Ahnen stammen. Geogen zeigt die Verteilung (Tipp: „relative Darstellung“ wählen) und steht für „geographische Genealogie“ oder ortsbezogene Ahnenforschung.