Diese Frage bezieht sich auf die Ahnenforschung und wurde letztens in einer FB-Gruppe gestellt. Manche erforschen nur die direkten Vorfahren, andere „in alle Richtungen, die ganze Bandbreite“.

Meine Faustregel ist:

3 „Schritte“ von der Hauptlinie entfernt

„3 Schritte von der Hauptlinie“ entfernt

Als Hauptlinie gelten auch alle Nachkommen eines direkten Vorfahren.

Beispiel: Die Schwester meiner Oma (per Definition 1 Schritt), ihr Ehemann (+1 Schritt = 2 Schritte), seine Eltern (3. Schritt), seine Geschwister (3 Schritte) etc. Der so bestimmte Personenkreis war in der Regel den Personen aus der Hauptlinie bekannt (hier Ehemann und Schwiegereltern der Schwester, Geschwister des Ehemanns der Schwester).

Man kann z.B. auf myHeritage Übereinstimmungen von Personen in anderen Stammbäumen finden und dann auch verwandte Personen, die man selbst noch nicht im Stammbaum hat, übernehmen. Bei online zugänglichen Quellen wie etwa die Kirchenbücher in Böhmen oder die Einwohnerdatenbank auf westpreussen.de gibt es dann relativ viele Übereinstimmungen, die weitere Personen hat. Würde ich die alle einfach zu meinem Stammbaum zufügen, würde ich sehr viele Personen erhalten, die dann jedoch mit meinen Ahnen gar nichts mehr zu tun haben, z.B. die „Urgroßmutter der Halbschwester des Ehemanns der Schwester meines Urgroßvaters“.

Es ist eine Faustregel, und Ausnahmen bestätigen die Regel.

Gustav Meyer in Frauendorf – aber wo? (Blog Pommerscher Greif e.V.)
Mit diesem konkreten Geburtsdatum blätterte ich im Kirchenbuch von Frauendorf nach dem Taufeintrag. Sein Name war mir dort bislang nicht aufgefallen, ich hatte ihn wohl übersehen. Aber was war das? Es gibt im Kirchenbuch von Frauendorf, Kreis Randow keine Person mit diesem oder ähnlichen Namen!

Gustav Meyers Geburtsort in Wikipedia

Karen vom vorfahrensucher-Blog hat in einem Beitrag auf dem Blog des Pommerscher Greif e.V. darüber berichtet, dass sie im Kirchenbuch von Frauendorf, Landkreis Randow, den Geburtseintrag des Landschaftsarchitekten Gustav Meyer nicht finden konnte. Sie hat dann auf ancestry.de den Sterbeeintrag gefunden, der besagt, dass Meyer in Fraundorf, Landkreis Weststernberg, geboren wurde. Der Wikipedia war in diesem Punkt also falsch.

Als Wikipedia-Mitglied habe ich diesen Punkt mit Verweis auf den Sterbeeintrag und den Eintrag in der „Neuen Deutschen Biographie“ korrigiert. In Wikidata habe ich den einzigen bisherigen Eintrag zum Geburtsort („Stettin“) gelöscht und „Landkreis Weststernberg“ hinzugefügt, da ich davon den Wikidata-Identifier habe.

Die Veröffentlichungsfunktion von Ancestry

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Veröffentlichungsfunktion in ancestry hinweisen. Sie befindet sich in der Maske für die Ansicht eines Recherche-Treffers rechts oben.

Veröffentlichungsfunktion von ancestry (Screenshot)

Nun wählt man den Veröffentlichungskanal aus. Wählt man z.B. Google+ aus, geht ein neues Browser-Fenster mit einem neuen Google+Post auf. Schließt man dieses (weil man nicht wirklich auf Google+ posten will), erscheint ein Pop-Up Fenster, aus der man die URL kopieren kann.

Link kopieren (Screenshot)

Diesen Link kann man dann als URL zur Quelle angeben.

Was sich hinter der URL verbirgt, hängt anscheinend von der Quelle ab. Im Fall der Berliner Sterberegister gibt es links das Digitalisat zu sehen (zoombar, auch für Nicht-Mitglieder!) und rechts eine Zusammenfassung mit Namen des Nutzers und der Quellensammlung:

Text Zusammenfassung Sterbeeintrag Gustav Meyer

Das ist wundervoll, denn hier kann man jedem Internetnutzer die Primärquelle präsentieren.

Bei anderen standesamtlichen Quellen (z.B. Halle/Saale, Hamburg) funktioniert die Darstellung des Digitalisats leider nicht. Sehr schade. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum das so ist.

Bisher habe ich immer die URL zur Sammlung in ancestry angegeben, z.B. zu den Berliner Sterberegistern. Dies scheint mir am ehesten ein Permalink zu sein, aber mit der Veröffentlichungsfunktion weiche ich mehr und mehr davon ab und gebe dessen URL an, denn Nicht-Mitglieder können mit dem Link zur Sammlung nur begrenzt etwas anfangen.

Fazit

Für einige Quellen gelingt es bei Ancestry mit der „Veröffentlichen“-Funktion, das Digitalisat (zu einer Person) über die Paywall hinweg auch Nicht-Mitgliedern zugänglich zu machen. Ich nutze dies inzwischen häufiger bei Quellenangaben.

Also on / Auch auf:

Mein Uropa Friedrich Hermann Ketter und zwei seiner Brüder sind während des ersten Weltkrieges gestorben. Die Familiengeschichte überliefert, dass sie im Krieg gefallen sind.

Die Brüder

Seine Brüder Karl Albert und Wilhelm Ketter sind in den Verlustlisten des ersten Weltkriegs zu finden. Friedrich Albert ist in der Liste vom 10. November 1917 als vermisst eingetragen. Ein Regiment ist nicht angegeben. Wilhelm Ketter ist in der Liste vom 5. August 1916 als gefallen eingetragen. Demnach gehörte er dem Infanterie-Regiment 26 an, welches sich laut Gefechtschronik in dieser Zeit im Stellungskrieg in Flandern und Artois befand.

Mein Uropa

Im Sterberegister von Halle (Saale) habe ich den Sterbeeintrag meines Großvaters gefunden:

Der Kommandeur der Landsturm-Infanterie-Bataillon IV. 31. hat angezeigt, daß der Armierungssoldat der 4. Kompanie Armierungs-Bataillon 179, Straßenbahnwagenführer Friedrich Hermann Ketter, neunundzwanzig Jahre alt, evangelischer Religion, zuletzt wohnhaft in Halle, Körnerstraße 27, geboren zu Halle, verheiratet gewesen mit Helene Fried Ketter geborene Rosch, wohnhaft in Halle, Sohn des verstorbenen Eisendreiher Christin Wilhelm Carl Ketter, zuletzt wohnhaft in Halle und seiner Ehefrau Johanna Maria Wilhelmine, geborene Haucke, wohnhaft in Halle, zu La Capelle im Kaserne Feldlazarett 18 am 27. Oktober 1918 vormittags um fünf einviertel Uhr verstorben sei.

Er war also Armierungssoldat in einem Armierungsbataillon. Wikipedia hierzu:

Armierungs-Bataillone waren im Ersten Weltkrieg pionierähnliche Truppenteile des deutschen Heeres. Sie dienten in erster Linie zum Bau von Verteidigungsanlagen und Stellungen, aber auch von Straßen und Grenzbefestigungen.

 

Unbekannt, Armierungs-Bataillon, CC BY-SA 3.0

Ob mein Uropa einer Krankheit (z.B. der Ruhr) oder einer Kampfhandlung zum Opfer gefallen ist, kann ich nicht ermitteln.

Durch Zufall habe ich letztens Remarques Im Westen nichts Neues in die Hände bekommen. Nach der Lektüre dieses sehr gut geschriebenen Buches kann ich mir die Schicksale der Ketter-Brüder besser vorstellen.

Also on / Auch auf:

My Heritage, now nine months into their DNA foray, so far has proven to be a disappointment. The problems are twofold. MyHeritage has matching issues, combined with absolutely no tools to be able t…

Quelle: MyHeritage – Broken Promises and Matching Issues

In der Facebook Gruppe „DNA-Genealogie auf Deutsch“ wurde die Qualität der Matches auf MyHeritage bemängelt:

Meine (26) My Hertitage matches (hochgeladen von FTDNA) sind „ungewöhnlich“ hoch (longest cM). Hat jemand Erfahrungen (z.B.Bestätigungen auf gedmatch), dass seine matches stimmen? Vor einigen Monaten hatte ich Kontakt zu einigen Personen aufgenommen, wo sich die matches als total falsch erwiesen haben.
Ich traue deshalb den matches von My Heritage nicht mehr so richtig.

Meine Antwort mit Hinweis auf den oben verlinkten Artikel (englisch):

MyHeritage nutzt sog. „Imputation“, wenn sie DNA vergleicht, die von verschiedenen Test-Chips bestimmt wurden. Die verschiedenen Chips messen nicht 100% an den selben Stellen den genetischen Code. Beispiel: Chip A misst Position 1 bis 100 auf Chromosom 1, Chip B misst Position 40 bis 80 und 120 bis 180. Die fehlenden Stellen werden „geraten“, was eben zu ziemlichen Fehlern führen kann.

Das Problem kann man an obigem Bild schön verdeutlichen: die hellbraunen Bereiche hat sich ein MyHeritage-Algorithmus einfach „ausgedacht“, weil sie nicht in beiden Quell-DNA getestet wurden. Das kann nur zu Ungenauigkeiten führen.

So ist das mit den deutschen Namen! - MyHeritage Blog by James M. BeidlerJames M. Beidler (blog.myheritage.de)
Seitdem es Kirchenbuchaufzeichnungen gibt (in der Regel beginnend in den 1500er Jahren) und bis zum Ende der ersten [Auswanderungs-]Welle, wurden die meisten deutschen Kinder mit zwei Vornamen getauft. Jungs trugen als ersten Namen fast immer den Namen Johann oder Hans, während Mädchen in der Regel Anna oder Maria hießen. Diese gemeinsamen Vornamen wurden oft in den Taufaufzeichnungen aufgefasst und die Person verwendete meistens ihren mittleren Namen – den Rufnamen.

Für das katholischen Böhmen kann ich bestätigen, dass Vornamen so vergeben worden sind: oft hießen die Jungen „Johann X“, die Mädchen „Anna Y“ oder „Maria Z“ und wurden sicherlich mit dem zweiten Namen gerufen.

Die Protestanten in Halle a.d. Saale waren da kreativer, aber auch da war der letzte Name der Rufname (ist sogar bei meiner Mutter so). Highlight für mich sind Vornamen wie „Paul Curt Willi“ oder „Auguste Therese Christiane Hedwig“ aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Prostanten in Westpreußen waren da genügsamer und nutzten nur einen oder zwei Vornamen.

Insgesamt ein teilweise interessanter Artikel, der anregt, über die Vergabe von Vornamen bei den eigenen Vorfahren nachzudenken.

Franz Anton Wurdinger war mein direkter Vorfahre (7 Generationen trennen uns). Ich habe seine Kinder in den Kirchenbüchern „verfolgt“.

Anton wohnte in Rauschenbach in Böhmen, heute Sítiny in der Tschechischen Republik. Dies ist ein kleines Dorf bei Einsiedl (tschechisch „Mnichov“).

Rauschenbach (Sítiny) heute
Rauschenbach (Sítiny) heute. © OpenStreetMap-Mitwirkende, Kartografie-Lizenz: „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ 2.0 (CC BY-SA) http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Die Taufeinträge von Vater Franz Anton Wurdinger (im Taufeintrag „Wortinger“, geboren am 11. Oktober 1760) und Mutter Anna Katharina Lenz (geboren am 7. Jahnuar 1759) habe ich geprüft. Die Hochzeit der beiden war der 9. Februar 1779 in Rauschenbach 23. Die Mutter Katharina verstarb am 22.4.1820.
Der Familienname wurde in den einzelnen Einträgen leicht unterschiedlich geschrieben: Wortinger, Wurtinger, Wordinger und Wurdinger

Die Lebensdaten folgender Kinder habe ich ermittelt:

Von 11 Kindern überlebten vermutlich 4 das Kindesalter.

Bei den „entzifferten“ Todesarten gab es Krankheiten wie Pocken („Blattern“), Typhus („Schleimfieber“) und Lungenentzündung. Ein Kind wurde „erdrucket“, wahrscheinlich versehentlich nachts im Elternbett. Jemand ist an „Abzehrung“ gestorben.

Zum Vater Franz Anton Wurdinger konnte ich keinen Sterbe-Eintrag finden. Auch das Todesdatum von Johann Wenzl (* 1789) bleibt unbekannt.

Rauschenbach.
Rauschenbach (Wikipedia) By Levap75 (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Am 27. September 1808 heiratete Johann Josef Wurdinger (mein direkter Vorfahre) die Thesia Nadler in Rojau.

Am 13. Februar 1816 heiratete Franziska Wurdinger den Franz Joseph Zitterbart, geb. 19. Dezember 1792.

Am 6. Oktober 1818 heiratete Franziska Wurdinger den Franz Josef Hammer, geb. 6. April 1796.

52 Wochen – 52 Fragen: Es war noch nie einfacher, von seinem Leben zu erzählen by FamilySearchDE (FamilySearch-Blog)
Nur wenige würden anzweifeln, von welchem Wert eine Biografie ist. Es ist sogar eine sehr lobenswerte Idee, seine Lebensgeschichte zu Papier zu bringen, denn Ihre Nachkommen können aus Ihren Erfahrungen die ein oder andere wertvolle Lektion ziehen und lernen Sie besser kennen.

Vor allem für ältere Menschen ein guter Einstieg, um etwas über ihr Leben aufzuschreiben. So was in der Art gibt es übrigens auch als Buch zu kaufen.