Juli Zehs Roman spielt im Jahr 2010 in einem (fiktiven) Dorf mit dem sprechenden Namen Unterleuten in der Ostprignitz, Brandenburg, ca. 100 km von Berlin entfernt. Der geplante Bau von zehn Windrädern am Rande des Dorfes erzeugt neue Konflikte unter den Dorfbewohnern und lässt alte Konflikte wieder aufbrechen. Aus der Sicht von gleich elf Personen treibt die Autorin die Handlung voran. Dies gelingt ihr sehr gut. Ich fand den Roman in weiten Teilen spannend. Es gibt nur wenige Stellen, in denen die Handlung etwas abflaut. Für mich immer ein willkommende Gelegenheit, das Buch beiseite zu legen und mich auch mal anderen Dingen zu widmen.

Gefallen hat mir, dass die erzählenden Personen auch in ihrem Innenleben und in ihrer „Lebensphilosophie“ beschrieben werden. So habe ich eine Bandbreite von „Wie man das Leben sieht“ und „Wie man durchs Leben kommt“ kennen gelernt.

Bei den alteingesessenen Dorfbewohnern sind vor allem Rolf Gombrowski und Kron hervorzuheben. Gombrowski hatte die damalige LPG geleitet und sie nach der Wende in eine Nachfolgeorganisation hinüber gerettet. Sie gibt Bewohnern Arbeit und unterstützt Einrichtungen des Dorfes wie Kindergarten und Feuerwehr. Daher sieht sich Gombrowski permanent im Einsatz für das Dorf und die Region. Kron wiederum trauert der DDR nach und ist dem „neuen System“ äußerst kritisch eingestellt. Er lebt allein. Ich habe ihn mir als Rentner vorgestellt, aber laut unterleuten.de ist erst 56 Jahre alt.

Zu den Hinzugezogenen gehören die Paar Fließ und Franzen/Wachs. Gerhard Fließ war Soziologie-Professor in Berlin und Zeit seines Lebens politisch aktiv. Mit dem neuen, eher unpolitischen Zeitgeist kann er nicht so viel anfangen. Außerdem war seine Uni-Karriere ins Stocken geraten. Daher zog er mit seiner ehemaligen Studentin und jetzigen Ehefrau Jule aufs Land und wurde Vogelschützer. Linda Franzen ist „Pferdeflüsterin“ und „angehenden Super-Geschäftsfrau“. Sie verausgabt sich täglich, um endlich ihren geliebten Hengst „Bergamotte“ zu sich auf den Hof zu holen. Ihr Freund Frederick Wachs ist Software-Entwickler bei der Computerspiele-Firma seines Bruders und unter der Woche meist in Berlin. Er ist eher das Gegenteil von Linda – unergeizig und „turnschuhweich“.

Die Protagonisten haben sowohl positive als auch negative Eigenschaften. Dies macht sie greifbar und das Buch realistisch. Mir hat es sehr gut gefallen.

Übrigens gibt es mit unterleuten.de eine Webseite zum Buch. Auch zwei weitere, im Buch erwähnte Webseiten gibt es tatsächlich, sowie Profile von zwei Romanfiguren bei Facebook. Das Buch „Mein Erfolg“ des Management-Gurus, den Linda Franzen so verehrt und aus dem sie Merksätze zitiert, gibt es wirklich zu kaufen – sogar als Hörbuch. Die Autorin und der Verlag versuchen anscheinend, die Romanwelt und die „echte“ Welt in einander übergehen zu lassen. Hut ab.

Also on / Auch auf:

Die Antonow AN-225 ist das größte Transport-Flugzeug der Welt und hier im Anflug auf den Flughafen Schönefeld (südliche Landebahn des künftigen BER), wo gerade die ILA 2018 stattfindet. Es wurde ursprünglich gebaut, um die Buran (die russische Version des Space Shuttle) „huckepack“ zu transportieren. Es gibt nur ein Exemplar.

AN-225 im Anflug auf die Südbahn des künftigen BER (Foto: Erik Pischel, Lizenz: CC0)

Eine Karte in den Unterlagen zum Planfeststellungsbeschluss (PDF) zeigt, wie in einigen Jahren das „Ende“ der A100, also die Anschlusstelle „Am Treptower Park“, aussehen wird.

Ist-Stand

Bereits jetzt ist die Kreuzung Am Treptower Park / Elsenstraße sehr verkehrsreich, weil hier die Ausfallstraße B96a dreispurig als „Quasi-Einbahnstraße“ entlang führt. Von der Elsenbrücke kommend, biegt sie hier links ab und führt als „Am Treptower Park“ weiter in Richtung Südosten. Aus Südwesten kommend bringt die Elsenstraße Verkehr aus Neukölln heran.

Kreuzung Elsenstraße / Am Treptower Park (openstreetmap)

Soll-Stand

Die Autobahn mündet in die Straße „Am Treptower Park“. Während nur auf der rechten Spur das Abbiegen Richtung Südosten möglich ist, soll es auf allen drei Spuren Richtung Norden gehen. Die momentan einspurige, kaum genutze Fahrbahn (in der Karte weiß) wird auf fünf (!) Spuren erweitert: drei Rechtsabbiege- und je eine Geradeaus- und eine Linksabbiege-Spur. Dazu wird der breite Gehweg vor dem Kino, derzeit von der Gastronomie im Kinogenutzt wird, stark beschnitten.

Die Geradeaus- und die Linksabbiegespur deuten eine neue Verkehrsführung an: Linksabbiegen Richtung Westen ist derzeit nicht möglich, Geradeaus Richtung Norden auch nicht, weil dort eine Einbahnstraße ist: der nördlichste Teil der Straße Am Treptower Park. Ich bin gespannt auf die Verkehrsführung beim Zusammenstoß von Puschkinallee und Straße Am Treptower Park.

In jedem Fall wird die Kreuzung noch viel befahrener als sie jetzt schon ist und damit das Umfeld noch „ungemütlicher“. Ich würde mich nicht wundern, wenn sich der Autoverkehr verdoppelt. Sicherlich wird auch der Kunger-Kiez von der Autobahn negativ beeinflusst werden – mal sehen, wie stark.

Es gibt eine Webcam von der Baustelle der Anschlussstelle „Am Treptower Park“.

Also on / Auch auf:

Endlich Richtungsverkehr am Ostkreuz. Die S3 ist zurück auf der Stadtbahn (nach fünf Jahren), am S-Bhf. Rummelsburg hält die S-Bahn wieder. Die südliche Fußgängerbrücke wurde neu gebaut (ganz in Weiß).

Es „hakte“ noch mächtig am ersten Tag.

Update: es „hakt“ auch weiterhin, vom Ostkreuz bis Ostbahnhof. Angeblich Probleme mit dem neuen elektronischen Stellwerk und der neu eingebauten Zugbeeinflussung.

Berliner Flughafen: Flugsicherung könnte BER-Eröffnung bis 2020 verzögern (tagesspiegel.de)
Einem Medienbericht zufolge bräuchten die Luftsicherheitsexperten weit mehr als die bisher veranschlagten 13 Monate, um den neuen Hauptstadtflughafen freizugeben.

Es ist ein Trauerspiel! Jetzt hisst die Deutsche Flugsicherung die weiße Flagge, wenn der BER nicht bis 2018 eröffnet wird. Die sind lt. ihrem Chef seit 2012 in den Startlöchern, alles festzulegen und zu erproben, aber Ende 2018 gehen die entsprechenden Leute in Rente und neue Leute müssen erst ausgebildet werden.

Kann man sich echt nicht mehr ausdenken! Wegen mir müssen sie den BER nicht aufmachen, aber es ist echt schade ums Geld.

Seit etwas über einem Jahr ist Berlin-Schöneweide wieder Regionalbahnhof: Züge der Linie RB24 halten auf dem Weg nach Berlin-Ostkreuz bzw. Königs Wusterhausen.

Zunächst konnte nur ein Gleis benutzt werden, weil nur eine Brücke erneuert war. Seit Dezember 2016 hält die Bahn auf beiden Gleisen des Bahnhofs, nachdem die zweite Brücke mit Fernbahngleisen über den Sterndamm erneuert wurde. Hier gibt es ein paar Fotos.

Die schlechte Nachricht: weitere Arbeiten an den Brücken über dem Sterndamm verzögern sich massiv. Ein neues, elektronisches Stellwerk wird es erst 2025 geben, daher muss das alte, mechanische Stellwerk wieder aufgebaut und die dazu benötigt Teile einzeln angefertigt werden. Das dauert.

Der Bau des neuen Berliner Flughafens verzögert sich immer mehr, und davon profitiert ein Konzern: Imtech. Einblicke in ein kriminelles Geschäftsmodell.

Quelle: Imtech: Die unheimliche Firma | ZEIT ONLINE

Die Firma Imtech soll großen finanziellen Gewinn gemacht haben durch überhöhte Nachforderungen, auch am BER. Der ehemalige Deutschland-Chef ist der Bestechung verdächtig und gibt nun einen (Zitat):

Einblick in die kriminellen Machenschaften hinter den Kulissen dieser Firma.

Update: Inzwischen haben sowohl die deutsche Firma Imtech als auch der niederländische Mutterkonzern Insolvenz angemeldet. Eine Taskforce am Flughafen soll ergründen, welche Auswirkungen dies auf den Bauverlauf haben wird.