Frank Schätzings Romandebüt Tod und Teufel spielt im Jahr 1260 in Köln. Dieser Krimi ist spannend geschrieben, hat aber einige Schwächen.

Der Roman ist in einen realen historischen Kontext eingebettet: Konrad von Hohenstaden, Erzbischof von Köln, stand in Konflikt mit den Patriziern der Stadt. Der Dombaumeister ist tatsächlich in den Tod gestürzt.

„Tod und Teufel“ von Frank Schaetzing, Goldmann Verlag 1995

Protagonist ist Jacop, ein Bauernsohn, Vagabund und Dieb, der diesen Sturz als Einziger beobachtet, aber auch gesehen hat, dass der Dombaumeister gestoßen wurde. Der Täter (namens Urquart) bemerkt dies und verfolgt ihn, denn der Tod soll wie ein Unfall aussehen und Zeugen für einen Mord sind unerwünscht. Darüber hinaus wird von den Auftraggebern Urquarts erzählt, welche größtenteils Kölner Patrizier sind.

Hilfe findet Jacop bei der Färberstocher Richmodis und ihrem Onkel, dem Geistlichen Jasper von Rodenkirchen – und dieser findet, dass die Wahrheit ans Licht muss. Es handelt sich um eine David-gegen-Goliath Geschichte, denn Urquart ist sehr gefährlich und seine Auftraggeber sehr mächtig. Es ist dann doch etwas unglaubwürdig, dass in einer mittelalterlichen Stadt Leute aus der Handwerkerschicht und ein Geistlicher einem Dieb helfen. Zwischendurch doziert Jaspar über die jüngere Geschichte und die Philosophie des Petrus Abaelardus. Auch hier bezweifle ich, dass ein „echter“ Jacop ohne jede Bildung dies auch nur annähernd verstanden hätte.

Schätzing hat die Geschichte spannend erzählt bis auf einige Längen mit den geschichtlichen und philosophischen Einschüben, was mich persönlich aber nicht so gestört hat, da ich auch gerne mal eine Pause von der Spannung habe.

Ein Motiv im Roman: der Mensch ist selbst für sich verantwortlich. Er / Sie hat die Freiheit, seine Einstellung und (in einem gewissen Rahmen) sein Handeln zu wählen. Hier verweist Schätzung (durch Jaspar) auf Abaelardus (der lt. Wikipedia im 12. Jahrhundert Kant vorweg nahm).

Abaelardus vertrat die Auffassung, dass der Mensch entscheiden kann zwischen Sünde und Nichtsünde. Er hat die Wahl. … Er kann sich zu seinen Handlungen bekennen die Verantwortung dafür übernehmen.

Sowohl Jacop als auch Urquart haben eine traumatische Erfahrung gemacht. Urquart wurde zu einem Auftragskiller und einer gnadenlosen Tötungsmaschine, Jacop ist vor sich selbst davon gelaufen. Aber Jasper macht Jacop klar, dass er sich seiner Vergangenheit stellen und Verantwortung übernehmen kann. Und auch unter den Auftraggebern Urquarts gibt es welche, die über ihre Taten nachdenken und ihre Einstellung ändern.

The Top 3 Most Effective Ways to Take Notes While Reading by Shane Parish (Farnam Street)
The most effective way to take notes while reading is to follow this simple three step process that I've tested and honed on over one thousand books.

Um ein (Sach-)Buch nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen, macht man sich am Besten Notizen. Shane Parish empfiehlt seine Vorgehensweise:

  1. Am Ende eines Kapitel selbiges in Stichpunkten zusammenfassen und ggf. offene Fragen zusammentragen.
  2. Ist man mit dem Buch fertig, legt man es für ca. 1 Woche beiseite. Dann geht man die Notizen durch und schreibt die wichtigsten auf die Innenseite des Covers oder die ersten Seiten
  3. Auszüge/Notizen von Hand übertragen oder Fotografieren und in Evernote/Onenote etc. einstellen

Adrian J. Walker: Am Ende aller Zeiten, erschienen 2016 im Fischer Tor Verlag; ISBN 9783596037049.

Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternen

Edgard Hill erlebt mit seiner Familie in Schottland den Einschlag eines Meteoritenschauers, der die britischen Inseln und noch mehr verwüstet. Sie können sich gerade noch in ihren Keller retten. Später werden sie vom Militär gerettet und leben in einer Kaserne. Ed, so gibt er selbst zu, nimmt seine Vater- und Ehemannrolle nur halbherzig war.

Als er mit einigen Kameraden von einem Ausflug zwecks Nahrungsbeschaffung in die Kaserne zurück kommt, sind die meisten Kasernenbewohner inkl. seiner Familie verschwunden – eine unbekannte Organisation hat sie mit Hubschraubern nach Wales geflogen, von wo sie bald mit dem Schiff auf die Südhalbkugel evakuiert werden sollen. Will Ed seine Familie wiedersehen, dann muss er sich aufmachen von Schottland nach Wales.

Liebevoll gestaltetes Buchcover
Liebevoll gestaltetes Buchcover

Der englische Originaltitel verrät, worum es in weiten Teilen des Romans geht: „Der Laufklub am Ende der Welt“. Denn Laufen wird für den unsportlichen Ed und seine Begleiter zur häufigsten Fortbewegungsart. Und so ist es auch ein Buch über das Laufen. Ich finde, das sollte man durchaus wissen, bevor man das Buch liest.

Das postapokalyptische Britannien bildet die düstere Szenarie für die innere Wandlung des faulen, distanzierten Eds zum Läufer, der noch rechtzeitig seine Familie erreichen will. Nicht immer ist die Handlung ganz plausibel, am Schluss wird einiges offen gelassen. Die äußere Handlung ist gut geschrieben – ich konnte das Buch nicht so einfach aus der Hand legen. Der Autor versucht es mit einigen tieferen Betrachtungen, aber das war etwas neblig für mich. „Geschichten funktionieren …, weil sie dir ein Gefühl vermitteln, wie die Wahrheit sich anfühlen würde, wenn du sie hören könntest. … [Sie] lassen eine tiefere Bedeutung anklingen.“ heißt es im Buch. So hat es sich der Autor wohl auch mit dieser vorgestellt. Ich höre das „Klingen“, aber es ist recht leise.

Hinweis: Das Buch wurde mir Rahmen eine Leserunde auf lovelybooks.de vom Fischerverlag geschenkt.

Farnam Street schreibt über die Notwendigkeit von Marginalien, also Randnotizen in Büchern, im Zeitalter des E-Books:

https://www.farnamstreetblog.com/2015/01/marginalia/

Ich habe es mir noch nicht zur Angewohnheit gemacht, in Büchern reinzuschreiben – ob als Antwort auf den Autor, Kommentar oder Erinnerungsstütze – , werde es aber mal versuchen.

„Children are accustomed to a continual stream of criticisms and praise, but adults can go weeks without a compliment while enduring criticism both at work and at home. Adults are starved for a kind word. When you understand the power of honest praise (as opposed to bullshitting, flattery, and sucking up), you realize that withholding it borders on immoral. If you see something that impresses you, a decent respect to humanity insists you voice your praise.“ – Scott Adams

So true.

via „How to Fail at Almost Everything and Still Win Big“ von Shane Parrish

Der Roman erzählt die Episode aus Homers Odyssee neu, in der Odysseus gegen Ende seiner Irrfahrt bei der Nymphe Kalypso lebt. Odysseus, Held der Griechen im Trojanischen Krieg, wurde als Schiffbrüchiger halb tot, halb lebendig an den Strand von Ogygia gespült. Kalypso, die schönste aller Nymphen, fand ihn, pflegte ihn, liebte ihn. Und die unsterbliche Nymphe kann unsterblich machen, wen sie liebt.

Herbert James Draper: "Calypso's Island", 1897. gemeinfreies Werk
Herbert James Draper: „Calypso’s Island“, 1897. gemeinfreies Werk

Aber will man, als Sterblicher, will man unsterblich werden? Ewig Leben? Unterdessen halten die Götter im Himmel ein Symposium zur Frage der Sterblichkeit ab, denn das ist ein Thema, dass sie, die Unsterblichen, nicht verstehen. Und sie sehen Odysseus als
Studienobjekt an, denn er ist sterblich und kann unsterblich werden, wenn er Kalypsos Angebot annimmt.

Dies ist ein etwas anderer Roman. Köhlmeier übernimmt den antiken Stoff und verpflanzt ihn in unsere Zeit. Wobei das nur die Umgebung, die Kulisse betrifft, denn der Grundkonflikt und die Grundthemen ändern sich nicht. Natürlich schmückt er aus, es ist keine reine Nacherzählung. Und er verweist auf das „Gedicht“, es ist ein Neuerzählung. Obwohl der Roman „Kalypso“ heißt, geht es doch eher um Odysseus. Dem Erzählstil haftet hier und da dieses Antike an, das uns heute fremd vorkommt. Personen werden bei ihrer Einführung – aber gelegentlich auch später – mit Attributen vorgestellt, z.B. (recht wahllos ausgewählt):

Aphrodite, die Liebliche, unter deren Sohlen Anmut und Abenteuer gedeihen, war …

Und diese Wir-Perspektive. Der Autor schreibt als „Wir“, wobei es zumindest den Erzähler meint, z.B.

Zugegeben, wir haben uns nicht an die Reihenfolge der Ereignisse gehalten, wie sie in dem Gedicht festgelegt ist, das uns den überlieferten Stoff in Form brachte.

das hat etwas Lebendiges, wenn der Erzähler über die Erzählung, über die Erzählweise nachdenkt. Wie ja auch die griechischen Sagen überwiegend mündlich, d.h. mit „lebendigem“ Erzähler, weitergegeben wurden.

Wer sich also für griechische Mythologie interessiert oder auch nur für einen etwas „anderen“ Roman, dem sei „Kalypso“ empfohlen.

Die PuppenspielerDie Puppenspieler von Tanja Kinkel

Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen

Das Buch handelt von Hexenprozessen, der Unternehmerfamilie Fugger und dem Italien der Renaissance am Ende des 15. Jahrhunderts. Der Hexenprozess zu Beginn und die ersten Jahre in Augsburg bei der Familie der Fugger sind interessant zu lesen. In der Mitte des Buches fehlt die Spannung, die Hauptperson ist in „seinem Element“ und es ist nicht klar, wie es weiter geht. Doch zum Ende hin nimmt das Buch wieder Fahrt auf, als es um die Intrigen in Rom nach der Wahl von Papst Alexander VI. geht.

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