„Inbox to Zero“ meint „(Email-)Posteingang leeren“, es soll also keine Mail mehr im Posteingang liegen. Ich mache das 1x die Woche mit meinen beruflichen Mails.

Wozu ist das gut?

In Emails stecken Aufgaben; das kann eine kurze Frage eines Kollegen sein, die man beantworten soll, oder auch der Auftrag des Chefs zu einem umfangreichen Projekt. Das regelmäßige Leeren des Posteingangs sorgt nun für 2 Dinge:

  1. Ich gehe durch alle Mails und stelle so sicher, dass keine Aufgabe vergessen wird und
  2. ich brauche nicht zu befürchten, eine Aufgabe in dem Haufen Emails übersehen zu haben, d.h. ich entlaste meinen Gehirn / Geist und habe eine Sorge weniger.

Wie geht das?

Im Grunde entscheide ich für jede Mail:

  1. Ist das wichtig oder kann das weg? Wenn Letzteres, dann löschen.
  2. Kann/Sollte das jemand anderes machen? Dann die Aufgabe delegieren.
  3. Benötigt die Bearbeitung der Mail nur ca. 2 Minuten, erledige ich es gleich.
  4. Es bleiben Aufgaben für mich, die länger als 2 Minuten dauern. Die kommen auf die Aufgabenliste.
  5. Ist es nur Information, bei der keine Aktion meinerseits erforderlich ist? Archivieren.

Ich habe das etwas vage aufgeschrieben, weil die konkrete Umsetzung vom persönlichen System abhängt. „Aufgabenliste“ kann zum Beispiel eine Papierliste, eine ToDo-App oder die Aufgabenliste in MS Outlook sein.

Fazit

Dies ist die Grundidee von „Inbox to Zero“. Es gibt etliche Artikel, die weiter ins Detail gehen. Man muss „Inbox to Zero“ auch nicht unbedingt jedesmal „vor dem Verlassen des Email-Programms“ durchführen, bei mir reicht einmal die Woche.

Also on / Auch auf:

Mein Uropa Friedrich Hermann Ketter und zwei seiner Brüder sind während des ersten Weltkrieges gestorben. Die Familiengeschichte überliefert, dass sie im Krieg gefallen sind.

Die Brüder

Seine Brüder Karl Albert und Wilhelm Ketter sind in den Verlustlisten des ersten Weltkriegs zu finden. Friedrich Albert ist in der Liste vom 10. November 1917 als vermisst eingetragen. Ein Regiment ist nicht angegeben. Wilhelm Ketter ist in der Liste vom 5. August 1916 als gefallen eingetragen. Demnach gehörte er dem Infanterie-Regiment 26 an, welches sich laut Gefechtschronik in dieser Zeit im Stellungskrieg in Flandern und Artois befand.

Mein Uropa

Im Sterberegister von Halle (Saale) habe ich den Sterbeeintrag meines Großvaters gefunden:

Der Kommandeur der Landsturm-Infanterie-Bataillon IV. 31. hat angezeigt, daß der Armierungssoldat der 4. Kompanie Armierungs-Bataillon 179, Straßenbahnwagenführer Friedrich Hermann Ketter, neunundzwanzig Jahre alt, evangelischer Religion, zuletzt wohnhaft in Halle, Körnerstraße 27, geboren zu Halle, verheiratet gewesen mit Helene Fried Ketter geborene Rosch, wohnhaft in Halle, Sohn des verstorbenen Eisendreiher Christin Wilhelm Carl Ketter, zuletzt wohnhaft in Halle und seiner Ehefrau Johanna Maria Wilhelmine, geborene Haucke, wohnhaft in Halle, zu La Capelle im Kaserne Feldlazarett 18 am 27. Oktober 1918 vormittags um fünf einviertel Uhr verstorben sei.

Er war also Armierungssoldat in einem Armierungsbataillon. Wikipedia hierzu:

Armierungs-Bataillone waren im Ersten Weltkrieg pionierähnliche Truppenteile des deutschen Heeres. Sie dienten in erster Linie zum Bau von Verteidigungsanlagen und Stellungen, aber auch von Straßen und Grenzbefestigungen.

 

Unbekannt, Armierungs-Bataillon, CC BY-SA 3.0

Ob mein Uropa einer Krankheit (z.B. der Ruhr) oder einer Kampfhandlung zum Opfer gefallen ist, kann ich nicht ermitteln.

Durch Zufall habe ich letztens Remarques Im Westen nichts Neues in die Hände bekommen. Nach der Lektüre dieses sehr gut geschriebenen Buches kann ich mir die Schicksale der Ketter-Brüder besser vorstellen.

Also on / Auch auf:

Dies ist der aktuelle Roman von John Irving um zwei Kinder von einer Müllhalde im mexikanischen Oaxaca, Joan Diego und seine Schwester Lupe. Als typischer Irving treten schillernde Figuren auf: ein hellsehendes Mädchen, ein Wunderknabe, ein Transsexueller, ein katholischer Priester in Ausbildung etc.
Das Buch hat mich an seinen Roman Owen Meany erinnert (den ich danach seit über 20 Jahren erneut gelesen habe). Wie in Owen Meany erzählt Irving in zwei Zeitebenen: in der Kindheit und Jugend der Protagonisten, also der Vergangenheit, und in der Gegenwart. Der Erzähler in Owen Meany heißt John und ist Englischlehrer. In Straße der Wunder gibt es keinen Ich-Erzähler, aber es wird die Geschichte von Joan (engl. John!) erzählt, der Schriftsteller wird. In beiden Romanen haben die Protagonisten Vorbehalte gegen die katholische Kirche, in Straße der Wunder ist es besonders die Christianisierung der Ureinwohner und die Vereinnahmung ihrer Religion durch die Eroberer. Lupe kann mehr hellsehen als Owen, aber beide sehen ihren Tod voraus. Und beide helfen damit: Owen Kindern, Lupe ihrem Bruder.
Beim erneuten Lesen von Owen Meany ist mir aufgefallen, dass Erzählebene des erwachsenen John einen nicht unerheblichen Raum einnimmt, hauptsächlich gefüllt mit Rants gegen die amerikanische Politik (Reagan-Ära) und Betrachtungen zu diversen literarischen Werken und ihre Unterrichtung im Unterricht ein, was wenig zur eigentlichen Geschichte beiträgt. Ebenso scheint mir die Gegenwarts-Erzählebene in Straße der Wunder wenig zur Geschichte beizutragen. Immerhin gibt es hier etwas mehr Handlung: Joans Reise auf die Philippinen und insbesondere sein Treffen mit einem (mysteriösen) Mutter-Tochter-Gespann. Mir ist noch nicht klar, was dies soll und ob/wofür sie stehen.
Viele Leser beklagen sich, dass das Buch langweilig sei. Ja, es ist kein Thriller. Ein Tipp für angehende Schriftsteller ist „Handlung, Handlung, Handlung“. Nicht so Irving. In Owen Meany schreibt er über Humor in den Beschreibungen eines Romans:
[…] aber die Hälfte [des Humors] bekommen [die Schülerinnen] gar nicht mit! […] Was ihnen entgeht, sind immer die Beschreibungen; ich bin sicher, die halten sie einfach für unwichtig. Sie wollen Dialoge, sie wollen Handlung; aber gerade in den Beschreibungen steckt so viel von der schriftstellerischen Leistung!
Ja, Schmunzeln ist angesagt: Blutdruck-Tablette oder Viagra (was für Alternativen! Das Leben ist schon nicht leicht), der katholische Priester und der Transsexuelle, die ein Liebespaar werden etc.
Das Ende ist für mich dann doch überraschend.
Die FAZ hat eine lesenswerte Rezension.

Ein kurzer Roman von Gabriel García Márquez. Der Klappentext der Ausgabe des Philipp Reclam jun. Verlags Leipzig fasst es ganz gut zusammen:
[…], in dem [Roman vollzieht] sich die Handlung an einem Montagmorgen in einem Zeitraum von nur anderthalb Stunden. Die Tragödie, die sich anbahnt, kann von den zaghaften Versuchen der Dorfbewohner, sie noch abzuwenden, nicht mehr aufgehalten werden. Durch einen überkommenen Ehrbegriff ausgelöst, der ohne tieferen Sinn nur noch als eingeschliffenes Vorurteil im Bewußtsein der Beteiligten weitelebt, nimmt sie schicksalhaft ihren Lauf. Die Rache, nach der verlorene Ehre verlangt, trifft den Falschen und wächst sich zu einem Verbrechen aus, für das ein ganzes Dorf durch seine Tatenlosigkeit die Verantwortung trägt.
Cover-Bild der Taschenbuchausgabe des Fischer-Verlages
Flüssig zu lesen und Recht kurz, ist der Roman auch bald zu Ende. Mit offenen Mund staunte ich, wie der Todeszeitpunkt immer näher kommt und das Dorf zwischen „die (Mörder in spe) werden das nicht tun!“ und halbherzigen Versuchen, die Tragödie zu verhindern, schwankt. Leseempfehlung!
Hier noch eine weitere, ausführliche Rezension.

The Mere Presence of Your Smartphone Reduces Brain Power, Study Shows (UT News | The University of Texas at Austin)
Your cognitive capacity is significantly reduced when your smartphone is within reach — even if it’s off.

Liegt das Smartphone auf dem Tisch, können wir uns schlechter konzentrieren, als wenn es im Rucksack steckt oder es im Nachbarraum ist – auch wenn es stumm oder ganz abgeschaltet ist. Offenbar müssen wir einen Teil unserer Willenskraft dafür aufbringen, das Smartphone nicht zu nutzen. Dieser Teil steht dann nicht mehr fürs konzentrierte Arbeiten zur Verfügung.

Dies fand eine texanische Studie mit 800 Teilnehmern heraus.

Mein erstes Buch des Schriftstellers. Inhaltsangabe des Verlags:

Paulo Coelho erzählt in einfacher, moderner Sprache die Geschichte des Propheten Elia, die wir alle kennen, ›so wie wir sie nicht kennen‹: Sein neuer Roman ›Der Fünfte Berg‹ versetzt uns zurück ins Jahr 870 v. Chr., als Gott Elia befahl, Israel zu verlassen und ins Exil zu gehen. Ausgehend von einer kurzen Bibelstelle erzählt Paulo Coelho die Geschichte des jungen Rebellen und Propheten wider Willen.

Coelho schreibt in einfachen Worten und Sätzen. Ich weiß nicht, ob er auch sonst so schreibt oder ob er den Stil gewählt hat, weil er eine Geschichte aus dem alten Testament weiter erzählt und ungefähr dessen Stil wählt (wenn auch in moderner Sprache).

Obwohl man auch als Atheist einiges aus diesem Buch ziehen kann, ist es für mich ein religiöses Buch. Elias Leben in der Fremde, unter Feinden gar, seine neue Liebe zu einer Frau und die Ungewissheit, was seine Bestimmung ist und ob er das Leben selbst in die Hand nehmen sollte, lassen sich auch ohne religiösen Hintergrund nachvollziehen.

Spoiler

Die Hauptaussage im Buch ist m.E.: mit Gott kämpfen, d.h. bewusst aus den Möglichkeiten (die Gott einem bietet) seinen Lebensweg wählen und damit seinem Leben einen Sinn geben. Die entscheidende Stelle im Buch beginnt mit der Erzählung der Geschichte vom Kampf Jakobs mit dem Engel: Jakob behauptet sich und Gott segnet ihn auf den Namen Israel.

Manchmal ist es notwendig, mit Gott zu kämpfen. Alle Menschen mussten irgendwann in ihrem Leben ein Unglück durchmachen. […] In diesem Augenblick forderte Gott sie heraus, sich ihm zu stellen und ihm seine Frage zu beantworten: „Warum klammerst Du Dich so sehr an ein kurzes Leben voller Leiden? Welchen Sinn hat Dein Kampf?“

[…]

Vom Himmel lächelt der Herr zufrieden – weil es genau dies war, was Er wollte. Er wollte nämlich, dass jeder die Verantwortung für sein Leben in die eigenen Hände nahm. Schließlich war dies ja die größte Gabe, die er Seinen Kindern gegeben hatte: Die Fähigkeit, selbst zu wählen und selbst zu bestimmen. (S. 189f)

Elias hat lange gebraucht, die zu begreifen.

Apropos „Jakob und der Engel“.

How And Why To Keep A “Commonplace Book” by Ryan Holiday (Thought Catalog)
Some of the greatest men and women in history have kept these books. Marcus Aurelius kept one–which more or less became the Meditations. Petrarch kept one. Thomas Jefferson kept one. Napoleon kept one.

Was ist ein Commonplace Book?

A commonplace book is a central resource or depository for ideas, quotes, anecdotes, observations and information you come across during your life and didactic pursuits. The purpose of the book is to record and organize these gems for later use in your life, in your business, in your writing, speaking or whatever it is that you do.

Klingt nach einer guten Idee!

Bookmarks, favs, likes - backfilling years of gaps by Peter Molnar
What do you do when you have years of hoarded internet on your computer and you want to put them into one place, to make it searchable? You put them on your website, while retroactively like, favorite, and bookmark them at their source.

Peter Molnar meint, als Indieweb-Teilnehmer sollte man nicht nur heutigen Content auf der eigenen Webseite veröffentlichen, sondern auch alte Likes, Kommentare und Bookmarks, insbesondere wenn sie in „Silos“ wie z.B. sozialen Netzwerken liegen.

Er persönlich speichert auch den Content, um ihn „in den Such-Korpus“ aufzunehmen. Reposten geht aber aus rechtlichen Gründen nicht.